Die Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe

Für die Neue Westfälische berichtet Stefan Schelp als Wirtschaftsressortleiter seit gut zehn Jahren aus der Wirtschaftsregion OWL. Nur während seiner Studienzeit hat er seine Heimat verlassen. Im Interview erzählt Stefan Schelp von den Stärken und Schwächen der OWLer, von der ausgeprägten Wirtschaftskraft der Region und dem Wesen des Ostwestfalen an sich: Harte Schale, weicher Kern!

Wenn jemand die Region Ostwestfalen-Lippe nicht kennt, wie würdest du sie aus deiner Sicht beschreiben?
Stefan Schelp: Ostwestfalen-Lippe ist eine sehr lebenswerte Region mit viel Natur, einer leistungsstarken Industrie, zwei guten Fußballvereinen, jeder Menge Karrieremöglichkeiten. Hier bei uns kann man sich richtig wohlfühlen.

Welche Branchen sind in der Region am stärksten vertreten? Was sollte man aus der Region kennen?
Stefan Schelp: OWL ist sehr breit aufgestellt. Da ist zum einen der Maschinenbau zum Beispiel DMG Mori, die starke Lebensmittelindustrie mit Oetker, Tönnies und Melitta, bekannte Modeunternehmen wie Gerry Weber oder bugatti, viele Kliniken und Krankenhäuser. Und natürlich jede Menge Möbel- und insbesondere Küchenmöbel-Hersteller. Und Bertelsmann. Und Miele. Und und und. 

Welche Rolle spielt die Region OWL in Bezug auf die Wirtschaftskraft für Deutschland?
Stefan Schelp: Ich halte es immer mit dem Spruch der Baden-Württemberger: Wir können alles, außer Hochdeutsch! Da sag ich: Wir können alles und auch noch Hochdeutsch. Die Region Ostwestfalen-Lippe wird gerne unterschätzt. Wir haben eine große Wirtschaftskraft, nur wir prahlen nicht gerne damit. Da ist noch Luft nach oben.

Kann die nordrheinwestfälische Spitze im Vergleich mit den klassischen Industriegebieten, wie beispielsweise dem Ruhrpott oder den Großstädten mithalten?
Stefan Schelp: Auf jeden Fall. Der Ruhrpott steckt immer noch im Strukturwandel. Aber wir hatten auch das Glück, von der Schwerindustrie unabhängig zu sein und uns nicht komplett umstellen zu müssen. Wie gesagt: Wir sind breit aufgestellt. Und mit den Start-ups geht es auch voran. Das tut der Region sehr gut.

Was ist deiner Meinung nach das Besondere an OWL? Was sind die Stärken der Region?
Stefan Schelp: Die Bereitschaft, neue Themen aufzunehmen, Lösungen zu finden, zu arbeiten ohne viel Tamtam darum zu machen. Das sind die Stärken der Region.

Glaubst du, der Ausbau der A33, der generelle Anschluss an die Autobahnen und die Lage ist auch ein Pluspunkt für die Region?
Stefan Schelp: Von je her wird die Anbindung an die A2 als wichtigstes Argument für den Standort OWL angesehen. Man kommt von OWL sehr schnell in andere wichtige Regionen in Deutschland und Europa. Die A33, aber auch weitere Anbindungen, wie die A30 mit der bald fertiggestellten Nordumgehung gehören auch dazu. Generell ist die verkehrstechnisch günstige Lage ein ganz wichtiger Pluspunkt für die Region.

Freude kann der Ostwestfale, wenn überhaupt, ja nur bedingt zeigen. Ein typischer Ostwestfale sagt „ja, ist essbar“, wenn er zum Beispiel von einem Essen begeistert ist. Glaubst du, der etwas mürrische Charakter der Ostwestfalen ist abschreckend für Young Professionals aus den Großstädten?
Stefan Schelp: Ostwestfälisch kurz würde ich sagen: Joar, wird schon. Die Westfalen gelten als Meister der kurzen Antworten und damit als mürrisch. Meiner Meinung nach ist das ein Klischee. Nimmt man sich zwei oder drei Minuten Zeit, kann man den Ostwestfalen schnell knacken. Dann teilt er sein Wissen gerne und ist genauso fröhlich und freundlich wie jeder andere Mensch.

Also ist die Region auch offen für neue Leute?
Stefan Schelp: Das auf jeden Fall. Natürlich ist nicht jeder nett, aber das ist in OWL auch nicht anders als in anderen Städten. Wir leben nicht unter einer großen Käseglocke, in der nur „mürrische Ostwestfalen“ leben. In OWL sind Menschen aus ganz verschiedenen Regionen und Ländern zu Hause. Auch das tut der Region gut.

Aber jetzt mal ehrlich: über welche Schwächen verfügt die Region?
Stefan Schelp: Schwächen? Sagen wir mal: Herausforderungen. Das Thema Digitalisierung beschäftigt die Region. Da darf man den Anschluss nicht verlieren. Mancher alteingesessene Familienunternehmer, mancher Handwerksmeister und mancher in die Jahre gekommene Firmengründer muss da bestimmt aufpassen. Aber das ist eigentlich kein spezielles OWL-Thema.  Das gilt für Bielefeld, wie auch für Flensburg, Gelsenkirchen oder Nürnberg. 

Work-Life-Balance wird immer wichtiger. Ist OWL nicht prädestiniert für eine ausgeglichene Balance?
Stefan Schelp: Die Unternehmen müssen jede Menge tun, um junge Menschen in die Region zu bekommen. Man muss den Leuten klarmachen, dass es sich lohnt, nach Ostwestfalen-Lippe zu kommen und da spielt das Thema Work-Life-Balance eine wichtige Rolle. Wir haben in OWL jede Menge Kultur, Natur und Erholungswert zu bieten. Gute Voraussetzungen für ein ausbalanciertes Leben. Das merken auch die Unternehmen, die nicht mehr an der Stechuhr festhalten und sagen, man müsse von 9 Uhr bis 17 Uhr bleiben. Der Fachkräftemangel trifft uns alle. Da muss man schon mit ein paar Bonuspunkten locken. Das kann eine Betriebskita für die Kinder sein. Oder gern ein Plus beim Gehalt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.