LZ-Geschäftsführer Ralf Freitag im Interview: „Wer nicht nur dem Mainstream folgen will, ist jenseits der Großstadt-Hektik besser aufgehoben“

Am 1. Januar 2014 übernahm Ralf Freitag das Amt der Geschäftsführung bei der Lippischen Landes-Zeitung und zeigt sich für alle Inhalte der werktäglich erscheinenden Lokalzeitung für den Kreis Lippe verantwortlich. Der gebürtige Gütersloher war viele Jahre lang Chefredakteur des Delmenhorster Kreisblattes. Im Interview äußert sich der 53-Jährige über die Vorzüge von Lippe, die besonderen Herausforderungen eines familiengeführten Medienunternehmens und gewährt Einblicke in die Ausbildungsinhalte der LZ.

Herr Freitag, warum kann die Region Ostwestfalen-Lippe durchaus mit Großstädten wie Köln, Hamburg oder Berlin mithalten?

„Abgesehen von der Elbe oder der Spree hat OWL alles, was Hamburg auch hat: eine aufstrebende Region, eine coole Gastro- und Kneipenszene, viele kulturelle Veranstaltungen, Bildungsmöglichkeiten in allen Facetten, eine moderne Medienszene und nicht zuletzt viele interessante Menschen.

Das haben wir in den deutschen Metropolen doch auch alles sogar auf engstem Raum…

„Ja, das stimmt. Aber nur relativ. In Berlin eine Stunde durch die Stadt von A nach B zu fahren ist völlig normal. Man denke einmal, wie weit man in OWL herumkommt, wenn man eine Stunde unterwegs ist.“

Welche Vorteile bietet denn speziell der Kreis Lippe im Vergleich zu Deutschlands Großstädten?

„Lippe bietet zum einen das, was Großstädte nur sehr schwer oder nur an sehr speziellen Plätzen bieten können: Ruhe zur Regeneration, aber auch, um seinen kreativen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wer wirklich neue Wege gehen und nicht nur dem Mainstream folgen will, der ist jenseits der Großstadt-Hektik besser aufgehoben. Die besten Ideen kommen mir beispielsweise beim Joggen hoch zum Hermann. Hinzu kommt die einmalig enge Verflechtung von Hochschule und Wirtschaft auf engstem Raum. Davon profitieren auch wir Medienleute. Wir sind hier in Lippe ja so etwas wie das Baden-Württemberg des Nordens: extrem erfolgreiche mittelständische Betriebe im Bereich der Halbleitertechnik, große Industrieunternehmen und dazu der ländliche Raum, in dem sich einfach gesünder leben lässt, gerade für junge Familien. Ich glaube, dieser besondere Mix, der auch relativ hohen Wohlstand für alle sichert, macht Lippe zu einer der Vorzugsregionen in Deutschland.“

Warum sollten sich junge Menschen ausgerechnet bei der Lippischen Landes-Zeitung bewerben?

„Weil wir einfach gut und super modern sind. Wie komme ich darauf? Mittelständische, familiengeführte Medienunternehmen bekommen die Folgen des Medienwandels knallhart zu spüren. Sie haben kein riesiges Polster, das sie jahrelang abwarten und im Nichtstun verharren lässt. Daher müssen Medienbetriebe wie die LZ schneller als große Verlage auf die Veränderungen am Markt reagieren. Vieles von dem, was wir tun, kommt zeitversetzt zwei, drei Jahre später bei den großen Verlagen der Branche an.

Das klingt nach spannenden, aber nicht gerade nach einfach zu bewältigenden Herausforderungen im Alltag…

„Diese bringt unsere Branche eben mit sich. Junge Leute, die bei der LZ ausgebildet werden, haben daher nicht nur ein super Rüstzeug für ihr späteres Berufsleben, sondern werden nach der Ausbildung auch von größeren Häusern mit Kusshand genommen – wenn sie denn unbedingt meinen, uns verlassen zu müssen. Und dann bieten wir seit zwei Jahren mit dem dualen Masterstudium eine absolut attraktive Ausbildungsform: Wenn alles gut geht, haben junge Menschen bei uns in drei Jahren den Master und ein abgeschlossenes Volontariat.“

Wie sieht denn das klassische Volontariat bei Ihnen aus?

„Im redaktionellen Bereich bilden wir bereits seit langem über den vom Ausbildungstarifvertrag vorgeschriebenen Standard aus. So können Volontäre während der dreijährigen Ausbildung zwei Hospitanzen außerhalb des eigenen Hauses absolvieren. Die eine führt sie verpflichtend zum Bereich Unternehmenskommunikation bei Phoenix Contact, einem Weltmarktführer im Bereich Industrie 4.0. Die zweite Hospitanz kann frei gewählt werden. Wir sind dann bei der Organisation behilflich.“

Was erhofft man sich als Verlag davon?

„Damit wollen wir der Vielfalt an Berufsmöglichkeiten gerecht werden, die ein einzelner Verlag gar nicht abdecken kann, selbst wenn er – wie wir ja auch – bereits Radio macht und online ambitioniert unterwegs ist. Auch bei uns gehören Text, Ton und Bewegtbild selbstverständlich schon in der Ausbildung zum Arbeitsalltag. Eben das, was heute für eine moderne Content-Herstellung nötig ist.

Der Journalismus wird mittlerweile ziemlich kritisch beäugt – von fehlender Perspektive und prekären Arbeitsverhältnissen ist häufig die Rede. Wie gehen Sie damit um?

„Ich teile diese Sicht nicht. Sehen Sie, zum einen steigt der Bedarf an Formaten, die die Welt erklären. Diese Formate können nur Journalisten ausfüllen. Fakt ist aber auch, dass alle Zeitungsverlage ein Generationenproblem in ihren Redaktionen haben: ein Drittel geht in den nächsten fünf Jahren in Rente, ein weiteres Drittel in zehn und das letzte Drittel in 15 Jahren. Und das ist noch eine ganz gesunde Struktur!

Klingt ganz danach, als hätten Sie schon andere Strukturen erlebt…

„In manchen Redaktionen ist es so, dass kein Redakteur, keine Redakteurin noch länger als fünf, sechs Jahre zu arbeiten hat. Das bedeutet für die Verlage den Zwang zur radikalen Verjüngung. Auch wenn vielleicht nicht mehr jede Stelle besetzt wird, steht doch mal fest, dass die Branche so viele junge Journalisten sucht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Heißt für die LZ: Wer hier ausgebildet wird und keine goldenen Löffel klaut, der kann es sich anschließend souverän aussuchen, ob er bleibt oder nicht. Übrigens: Bisher haben sich fast alle fürs Bleiben entschieden. In einem Fall mussten wir uns der Kraft der Liebe beugen – aber da kann dann der beste Betrieb nichts machen.“

Wie begibt sich denn die LZ auf die Suche nach jungen Nachwuchsjournalisten?

„Zum Beispiel auf der jährlich stattfindenden Ausbildungsmesse ‚MyJob OWL‘ in Bad Salzuflen. Da haben wir einen großen Gemeinschaftsstand mit Radio Lippe, auf dem wir unsere Ausbildungsmöglichkeiten zeigen. Dann natürlich durch den direkten Kontakt zu den Hochschulen wie der Fachhochschule des Mittelstands oder der Hochschule OWL. Und dann haben wir gute Kontakte zu regionalen Medien hier in Lippe, bei denen wir auch schon mal Anzeigen schalten.“

Was für Leute werden von der LZ vorzugsweise gesucht? „Arbeitstiere“ oder Leute, die das Unternehmen vorantreiben?

„Im nationalen ‚Treucura-Benchmark‘ schneiden wir in unserer Vergleichsgruppe bei den Redaktionskosten immer relativ schlecht hat. Will heißen: Wir leisten uns eine überdurchschnittlich große Redaktion, weil wir davon ausgehen, dass publizistische Qualität der einzige echte Trumpf ist, der im Medienwandel über alle Kanäle sticht. Weil das so ist, können wir uns auch eine Ausbildung ‚leisten‘, die überdurchschnittlich ist und deshalb auch beispielsweise im vergangenen Jahr vom Verband deutscher Lokalzeitungen als „herausragend“ zertifiziert worden ist. Ich sage das, weil sich daraus auch die Antwort auf ihre Frage ableitet. Natürlich muss man bei der LZ auch arbeiten, manchmal auch verdammt hart. Aber wir wollen und müssen uns – vor dem Hintergrund der sich rasant verändernden Medienwelt und Mediennutzung – ständig auch ein Stück neu erfinden. Dazu bedarf es viel Kreativität von allen Mitarbeitern. Und dafür stellen wir als Unternehmen auch entsprechende Freiräume zur Verfügung. Das finden sie so nicht überall.“

Wie bekomme ich als junger Mensch bei der LZ denn den Fuß in die Tür?

„Zunächst einmal kann man sich bei uns schon während des Studiums als freie Mitarbeiterin/freier Mitarbeiter versuchen. Wir suchen hier übrigens nicht nur Menschen, die für unsere Zeitung arbeiten, sondern auch exklusiv für unsere digitalen Kanäle. In der Regel vergibt die Redaktion dann Themen oder Termine, eigene Ideen sind aber auch hier immer gern gesehen. Auch sind wir an Menschen interessiert, die mit einer Videokamera journalistische Storys erzählen wollen. Dann gibt es die Möglichkeit, in unserer Online-Einheit im Schichtbetrieb früh oder spät unsere digitalen Kanäle zu betreuen. Das bedeutet unter anderem, auf Facebook zu moderieren oder unsere Homepage mit aktuellen Meldungen auf dem neuesten Stand zu halten.“

Momentan sucht die LZ in folgenden Ausbildungsberufen:

  • Volontär/Jungredakteur (m./w.)
  • Medienkaufmann / Medienkauffrau Digital und Print
  • Mediengestalter / Mediengestalterin Digital und Print
  • Medientechnologe / Medientechnologin Druck
  • Medientechnologe / Medientechnologin Druckweiterverarbeitung
  • Packmitteltechnologe / Packmitteltechnologin
  • Fachkraft für Lagerlogistik

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